NÄHE. NETZWERK. NIEMAND?
Einsamkeit, Freund*innenschaft, Sucht und Jugendkultur.
Wie geht das mit dem Freund*innen haben? Wo kann ich hin, was kann ich tun, wenn ich wieder allein bin? Jugendliche fühlen sich zunehmend einsam, obwohl sie teilweise viele Menschen zu ihren Freund*innenkreisen zählen. Sie sehen sich in ihrer Freizeitgestaltung mit Langeweile konfrontiert und wenig bis keine eigenen Ideen bzw. finden für sich keine geeigneten Aktivitäten und Handlungsräume, sowohl physisch als auch zwischenmenschlich. Substanzgebrauch, riskante Aktivitäten, auch zunehmende Selbstisolation können daraus resultieren. Sozialarbeitende stehen oftmals vor der Herausforderung, junge Menschen zu unterstützen atraktive Alternativen zu finden, mit ihnen zu erarbeiten. Welche Bedeutung und Herausforderungen Freund*innenschaft heutzutage hat, wie komplex chronische Einsamkeit für Jugendliche ist und welchen Beitrag Jugendarbeit, Jugendkultur etc. zur Unterstützung Betroffener leisten kann, beleuchtet der diesjährigen Mädchenfachtag in Vorträgen und Panels.
9:00 | Ankommen, Anmeldung und Kaffee
9:30 | Eröffnung & Begrüßung
9:45 | Vortrag 1 inkl. Q & A
11:00 | Pause
11:15 | Vortrag 2 inkl. Q & A
12:45 | Mittagspause
13:30 | Panelrunde I
15:00 | Pause
15:15 | Panelrunde II
16:45 | Abschluss
17:00 | Ende
Vortrag 1 | Einsamkeit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen – Entwicklungen, Folgen, Prävention
Seit der Coronapandemie befindet sich die Einsamkeit in Deutschland auf einem Höchststand. Mittlerweile sind Jugendliche und junge Erwachsene, insbesondere Mädchen und junge Frauen, davon in ähnlichem Ausmaß betroffen wie Senior*innen. Chronische Einsamkeit kann die körperliche und seelische Gesundheit massiv beeinträchtigen, bis hin zu einer reduzierten Lebenserwartung. Gerade in der sensiblen Phase des Erwachsenwerdens können Einsamkeit und soziale Isolation schwere psychische Krisen nach sich ziehen.
Dieser Vortrag beleuchtet aktuelle Entwicklungen der letzten Jahre und stellt Forschungsdaten zum Zusammenhang zwischen Einsamkeit und Freizeitgestaltung, Social Media Konsum, Partnerschaften und Bindung bei jungen Menschen vor. Gemeinsam mit dem Plenum werden Präventionsmöglichkeiten und gesellschaftliche Bedarfe, um die „Einsamkeitsepidemie“ unter Kontrolle zu bekommen, diskutiert.
Prof. Dr. habil. Maren Weiss (sie/ihr) | Diplom-Psychologin | Professorin für Psychologie an der SRH University Heidelberg, Campus Fürth
Vortrag 2 | Zwischen Kommerz, Gemeinschaft und Politik – Emanzipatorische Vielfalt in Jugendkulturen
In immer schnelleren Rhythmen jagt ein Trend den nächsten. Die Zahl jugendlicher Lebensstile wächst ständig. Fluktuation und Rückzug auf gemeinsame Haltungen scheinen die einzigen Kontinuitäten in jugendlichen Subkulturen zu sein. Emanzipatorische Vielfalt, FLINTA, LGBTQIA+ sind in Diskursen präsent, gleichzeitig aber auch Misogynie, Antifeminismus und Manosphere. Sind jugendliche Lebenswelten also ein einziges Chaos? Oder gibt es ungeschriebene Regeln, Steuerungsprozesse, Logiken und handfeste materielle Interessen? Existieren Gemeinsamkeiten zwischen den vordergründig so verschiedenen Stilen Techno, HipHop oder Punk, zwischen den Halbstarken und Existentialist:innen der 1950er-Jahre und HipHop-Fans, Gamer:innen oder den zahlreichen Influencer:innen der Jetzt-Zeit? Was fasziniert Jugendliche an Techno, Gaming, Punk oder HipHop, was bedeutet es, in einer Szene zu sein? Wie steht es um sexuelle und geschlechtliche Vielfalt und Perspektiven von FLINTA in Szenen? Welche Rollen spielen Industrie, Medien und der digitale Raum?
Gabriele Rohmann ist Sozialwissenschaftlerin, Journalistin, Mitgründerin und Co-Leiterin des Archivs der Jugendkulturen. Für das Archiv hat sie zahlreiche Angebote und Projekte konzipiert und geleitet (u.a. »Culture on the Road«, »Migration und Jugendkulturen«, »New Faces – Mit Kultur und Medien gegen Antisemitismus«, »Zukunftsmusik Reloaded«, »Jugendkulturen und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit«, »sUPpress – Medienkompetenz für Engagement und Selbstwirksamkeit«) und vielfach zu Jugendkulturen im Kontext von Protestbewegungen, Diskriminierungen, Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und Sexismus referiert und publiziert. Sie leitet den Bildungsbereich des Archivs und hier auch das Innovationsprojekt »Digitale Labore – kompetent für Resilienz gegen Hass im Netz und Desinformation«.
Gabriele Rohmann | Sozialwissenschaftlerin, Journalistin | Mitgründerin und Co-Leiterin des Archivs der Jugendkulturen
Panel 1 | Vorstellung jugendkultureller Einrichtungen in der Region
Drei Einrichtungen der Jugendkulturarbeit der Region stellen sich, ihre Konzepte und Arbeitsweisen vor. Zentrale Themen werden die gelingende, aber auch herausfordernde Jugendkulturarbeit sein, sowie mögliche Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen Fachkräften und den jugendkulturellen Angeboten.
Mit dabei sind „Luise – Raum für Jugendkultur“ aus Nürnberg, das „Kulturcafé Zett9“ aus Fürth und das Selbstverwaltete Zentrum am Wiesengrund – Raum für unkommerzielle (Jugend-)Kultur, kurz „Zewi“ aus Erlangen.
Das Panel ist in einer Mischform aus kurzen Vorträgen und gemeinsamen Austausch gestaltet und profitiert von Ihren Fragen.
Vera Lenhard (sie/ihr) | Leitung Luise – Raum für Jugendkultur
Alexander Willer (er/ihm) | Erzieher | Leitung Kulturcafé Zett9
2 Mitarbeitende des Selbstverwalteten Zentrum Wiesengrunds | Zewi
Panel 2 | young, lost, wild – Motive und Funktionen von Substanzkonsum bei Mädchen*
Warum probieren (junge) Menschen Substanzen aus, deren Risiken sie nicht kennen und deren Folgen sie nicht einschätzen können? Warum konsumieren also Mädchen*, und was bedeutet das für den beruflichen Alltag in Kontexten der Arbeit mit ihnen?
Ziele des interaktiven Workshops sind, Funktionen von Substanzkonsum bei Mädchen* zu kennen, zu verstehen und erste Handlungsideen für den beruflichen Alltag zu entwickeln.
Wir werden gemeinsam erarbeiten, welche Funktionen der Konsum von verschiedenen Substanzen für Mädchen* erfüllen kann, um ein besseres Verständnis für die Motivation hinter dem Konsum zu bekommen und die eigene berufliche Haltung zu reflektieren. Darauf aufbauend möchte ich mit Euch in den Austausch gehen, um erste Handlungsimpulse und Ideen für Eure eigenen Arbeitsbereiche zu entwickeln.
Elisabeth Feistel (sie/ihr) | B.A. Soziale Arbeit | Mädchen*beratung von Lilith e.V.- Drogenhilfe für Frauen*, Mädchen* und Kinder
Panel 3 | Beziehung gestalten: Was ist mir wichtig? – Mit Jugendlichen ins Gespräch kommen
Wie sehen eigentlich gute und respektvolle Beziehungen aus? Und wie können wir miteinander umgehen, wenn unsere Wünsche, Gefühle oder Vorstellungen unterschiedlich sind?
In diesem Workshop beschäftigen wir uns mit Beziehungen von Jugendlichen. Im Mittelpunkt stehen Fragen rund um Konsens, persönliche Grenzen, Werte und gegenseitigen Respekt. Wir sprechen darüber, wie man eigene Wünsche ausdrücken kann und wie man mit Differenzen umgehen kann: Was tun, wenn Menschen unterschiedliche Bedürfnisse oder Erwartungen in Beziehungen haben?
Wir setzen uns mit Gleichberechtigung und Geschlechterverhältnissen auseinander. Dabei schauen wir auf Rollenbilder, Erwartungen und Glaubenssätze, die uns im Alltag begegnen.
Auch Scham und Unsicherheit haben in Beziehungen ihren Platz. Wir sprechen darüber, warum bestimmte Themen oder Gefühle manchmal schwer anzusprechen sind und das Folgen für Beziehungsdynamiken haben kann.
Der Workshop bietet Raum für Austausch, Reflexion und gemeinsame Diskussion. Ziel ist es, Pädagog*innen zu ermutigen, Jugendliche darin zu bestärken eigene Grenzen und Bedürfnisse wahrzunehmen, die Grenzen anderer zu respektieren und Beziehungen auf Augenhöhe zu gestalten.
Katja Schiller (sie/ ihr) Sozialpädagog*in (BA) | Landratsamt Erlangen- Höchstadt | Schwangerschaftsberatung, Sexualpädagogik, Beratung nach ProstschutzG §10
Friederike Hahm (sie/ ihr) | Sozialpädagog*in (BA) | Frauennotruf Erlangen | Traumafachberatung, Psychosoziale Prozessbegleitung im Strafverfahren
Panel 4 | Austausch verbindet
Dieses Panel lädt zu einem offenen Austausch rund um das Thema Austausch und Verbindungen ein. Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen, Fragen und Perspektiven der Teilnehmenden. In einer moderierten Gesprächsrunde sollen Impulse aus den Vorträgen aufgegriffen, Herausforderungen gemeinsam reflektiert und Ideen für die praktische Umsetzung miteinander geteilt werden.
Damit greift das Panel den vielfach geäußerten Wunsch nach mehr Austausch und Vernetzung auf. Es schafft Raum unterschiedliche Blickwinkel kennenzulernen, sich gegenseitig zu inspirieren und konkrete Anregungen für den Arbeitsalltag kennenzulernen. Die wichtigsten Erkenntnisse und Ideen werden dokumentiert, sodass alle Teilnehmenden praktische Impulse und hilfreiche Denkanstöße mit nach Hause nehmen können.
Die Moderation übernimmt Carolin Wabra, die mit ihrem Hintergrund als Soziologin und Grafikdesignerin Räume für Austausch, Vernetzung und neue Perspektiven schaffen möchte.
29.10.26 | 09:00 – 17:00 Uhr
im Jugendkulturhaus OTTO | Kulturcafe Zett9 und Jugendmedienzentrum Connect | Theresienstraße 9 | Fürth
Kosten: 30.- inklusive vegetarischem oder veganem Mittagessen
Für Mitarbeitende aus der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit an Schulen
Anmeldung:
Veranstalterinnenkreis
- Andrea Brandl | Jugendmedienzentrum Connect | Jugendamt Stadt Fürth
- Dorothee Dietz | Abteilungsleitung Einrichtungen | Kreisjugendring Nürnberg-Stadt
- Maren Hämmerling | Beratungsstelle Frauennotruf Erlangen
- Simone Herold | Abteilungsleitung Kinder- und Jugendarbeit | Jugendamt Stadt Nürnberg
- Nine Kandler | Regionalleiterin Jugendsozialarbeit an Schulen | Jugendamt Stadt Nürnberg
- Julia Langmajer | Jugendsozialarbeit an Schulen | Jugendamt Stadt Fürth
- Zoé Lehmann | Kultucafé Zett 9 | Jugendamt Stadt Fürth
- Martina Neulinger | Jugendsozialarbeit an Schulen | Jugendamt Stadt Fürth
- Kathrin Steinmann | Jugendsozialarbeit an Schulen | Jugendamt Stadt Fürth

